RENATE THYSSEN-HENNE, die Mutter der Begum, geht in der Tierliebe neue Wege und erobert viele Herzen:
Menschen helfen Tieren aber auch umgekehrt
Highheels muss sie sofort ausziehen, weil sie sonst umgeworfen wird: Jedes Mal, wenn Renate Thyssen-Henne von einer Reise nach Hause zurückkehrt, spielt sich die gleiche Szene ab: Wild springen ihre drei Hunde an ihr hoch, bellen laut vor Freude, wollen gestreichelt werden. Die Unternehmerin und Mutter von Begum Inaara Aga Khan: Ich lege mich dann mit meinen Schätzchen erst mal zur Schmusestunde aufs Sofa. Und wenn ich vorher noch so müde war plötzlich fällt alles von mir ab, denn meine Tiere geben mir so viel Wärme und Liebe, das ist wirklich etwas ganz Besonderes.
Renate Thyssen-Henne hat ein großes Herz für Tiere: All ihre Hunde sind Findelkinder, die sie als gerippiges Elend von der Straße aufgelesen und zu strammen, selbstbewussten Kerlchen aufgepäppelt hat. Das ist für mich wahres Glück, das gibt mir heute mehr als alles andere, erzählt sie.
Um das Hundeelend etwas zu mildern, hat die Tierfreundin im Frühjahr 2002 den Verein SOS Projects für Mensch und Tier e.V. gegründet (Beiratsmitglied ist auch die Begum). Seitdem hat die Hilfsorganisation streunende, oft kranke und unterernährte Teneriffa-Hunde von der Kanaren-Insel geholt, insgesamt schon 320 Tiere und auf den idyllisch gelegenen Sonnenhof in der Nähe von Murnau (Bayern) umgesiedelt. Er ist nur Zwischenstation: Die Tiere werden in den Münchner Universitäts-Tierkliniken unter der Leitung von Professor Ulrike Matis medizinisch untersucht, oft sogar sehr teuer operiert und versorgt, bis sie ein liebevolles Zuhause bekommen. 270 Hunde wurden schon vermittelt, 50 warten noch auf einen Platz.
Und weil die Präsidentin von SOS Projects selbst so eng mit Vierbeinern zusammenlebt (sie dürfen bei ihr sogar ins Bett), weiß sie auch, welche positive seelische Wirkung Tiere auf Menschen haben. Deshalb hat ihr Verein sich das Ziel gesetzt: Menschen helfen Tieren Tiere helfen Menschen.
Und setzte den Gedanken in die Praxis um: In München startete SOS Projects jetzt einen tierisch-menschlichen Besuchsdienst: Renate Thyssen-Henne und ihr Team kamen mit Hunden in das Altenheim St. Elisabeth. Im Aufenthaltsraum warteten die Senioren schon auf ihre Gäste. Königspudel Morle, Hirtenhündin Sophie, Labrador Merlin & Co. liefen schwanzwedelnd auf sie zu, drückten ihre Köpfe an sie, wollten gestreichelt und gekrault werden. Rentnerin Anna Höhenleitner, 72, war begeistert: Ich bin ganz stolz, wenn sie alle zu mir kommen. Ich rede mit ihnen und sie hören mir zu. Ich komme vom Bauernhof und liebe Tiere über alles.
Viele der Bewohner besaßen früher selbst Tiere, Erinnerungen wurden jetzt wach. Wie bei der 90-jährigen Irmgard Emel: Ich hatte immer Hunde, zuletzt einen Schnauzer und einen Pudel. Ich mag sie, weil sie sich dem Menschen anpassen und man sich gegenseitig vertraut.
Auch Renate Thyssen-Henne glaubt, dass dieses Erleben den alten Menschen gut tut und formuliert diese Empfindungen: Das Tier nimmt mich so an, wie ich bin. Ich muss mich nicht verstellen. Ich muss nicht aufpassen, was ich sage und mein Alter oder meine Krankheit stören die Hunde überhaupt nicht wie das bei Menschen oft der Fall ist. Sie erklärt weiter: Studien beweisen, dass Tiere die Lebensqualität erheblich verbessern können. Ein Tier zu berühren ist beglückend, gibt Wärme und Lebensfreude. Und wir haben es ja bei diesem ersten Besuch im Seniorenheim erlebt: Die Damen gingen aus sich heraus, hatten strahlende Augen. Ich werde, so oft ich kann, selbst bei diesen Besuchen, die ab jetzt jeden Monat in Seniorenheimen in München stattfinden, dabei sein. Vielleicht ist das der Beginn einer wunderbaren Freundschaft. Tierfreundin Renate Thyssen-Henne denkt schon weiter: SOS Projects plant mit Kooperationspartner Deutsches Tierhilfswerk Therapien mit von SOS freigekauften Pferden für Kinder mit Behinderungen oder mit seelischen Problemen. Es handelt sich um Pferde, die ein besonders hartes Leben hinter sich haben, die zum Beispiel Kutschen und Schlitten bis zum Umfallen ziehen müssen und dann, wenn sie nicht mehr können, zum Schlachthof transportiert werden. Es ist wissenschaftlich erwiesen, erklärt Renate Thyssen-Henne, dass der Umgang mit Tieren neue Unbeschwertheit und Lebensfreude schenkt.
Christine Roider
SOS PROJECTS-KONTAKT
Wer einen Sonnenhof-Hund bei sich zu Hause aufnehmen oder am Hunde-Besuchsdienst in Altenheimen teilnehmen möchte, kann hier Kontakt aufnehmen:
SONNENHOF, Hochkreit 8,
82401 Rottenbuch, Tel. 07 00/76 72 64 62 oder 0 88 67/92 11 36
BESUCHSZEITEN
Täglich von 14 bis 17 Uhr oder nach Absprache.
SOS Projects für Mensch und Tier e. V. bittet außerdem um Unterstützung durch Sponsoren, Spenden und Fördermitglieder
SPENDENKONTO
HypoVereinsbank München,
Konto 90 999, BLZ 700 202 70
Bunte - Heft 24/2003