Herzdame der armen Hunde:
Renate Thyssen-Henne, die Mutter der Begum, hat auf einem Bauernhof in Bayern einen Hundehimmel eingerichtet. Und jeder kann mitmachen. Vier Stunden und 50 Minuten dauert der Flug von Teneriffa nach München, die Entfernung beträgt 2046 km. Für 220 ausgesetzte, herrenlose Hunde war es die Flucht aus der Hölle. Sie entkamen einer elenden Existenz auf der Kanareninsel und düsten ins Hundeglück. Die Frau, die das möglich gemacht hat, ist Unternehmerin Renate Thyssen-Henne. Seit zehn Jahren setzt sie sich ein für Tiere in Not - mit großem Herzen und mancher Mark (heute Euro), denn sie sagt: "Tiere können nicht sprechen, sie benötigen unsere Stimme." Jetzt hat sie ihre erste eigene Hilfsorganisation gegründet: SOS Animal Project - Internationale Hilfe für Tiere in Not. Ziel: Herrenlosen, misshandelten bzw. kranken Tieren helfen - weltweit. Erste große Aktion: die Befreiung der armen Hunde von Teneriffa. Wie kam die Präsidentin von SOS Animal Project auf die Idee, so etwas zu machen? Renate Thyssen-Henne: "Ein Tierfreund von der Insel, Eugenio Da Mommio, hatte ausgesetzte Hunde eingefangen und sie auf eine stillgelegte Bananenplantage gebracht. Weil er fast mittellos ist, wuchs ihm seine Aktion völlig über den Kopf. Die sich ständig vermehrenden Hunde hatten kaum Futter, zeitweise sogar nicht einmal Wasser und darbten unter freiem Himmel in der sengenden Hitze vor sich hin."
Renate Thyssen-Henne, Mutter der Begum Inaara, erfuhr vor ungefähr eineinhalb Jahren von dem Hundeelend. "Seitdem finanzierte ich dem mittellosen Tierfreund sämtliche Kosten im Zusammenhang mit den Hunden, insbesondere Futter und Tierarztkosten." Der Bau eines professionellen Hundeheims vor Ort scheiterte an der Inselbürokratie und da kam Renate Thyssen-Henne mit ihrer Familie und Freunden auf die Idee, einen Bauernhof im malerischen Pfaffenwinkel zwischen Garmisch und München mit dem schönen Namen Sonnenhof als Zuflucht für die Teneriffa-Hunde einzurichten. Renate Thyssen-Henne: "Die Hunde leben hier im Haus mit den Menschen (Tierpflegerinnen und ehrenamtlichen Helfern), es gibt keine Zwinger, sie können sich frei bewegen." Immerhin gehören zum Hof stolze 15 000 qm Grund. Und sie sagt: "Diese Hunde haben das Schlimmste durchgemacht, wurden auf den Müll geworfen, von Autos angefahren - und sie haben das scheinbar alles vergessen. Es rührt einen sehr an, mit welcher Dankbarkeit sie einem begegnen. Nur weil sie hier plötzlich Zuwendung bekommen und regelmäßig Futter."
Jedes Tier, so Renate Thyssen-Henne, wurde nach seiner Ankunft auf Herz und Nieren untersucht, nötige Behandlungen und Operationen hat man durchgeführt, einige erhielten die Basisausbildung einer Hundeschule. "Wir vermitteln sozusagen nur Hunde mit Gütesiegel: gesund, sterilisiert und zivilisiert." Doch der Aufenthalt der Tiere auf dem Sonnenhof soll nur eine Lösung auf Zeit sein. Gesund und aufgepäppelt werden sie an tierliebe Menschen vermittelt, im Moment warten noch 70 Hunde auf neue Besitzer. Thyssen-Henne: "Natürlich braucht jedes Tier auf Dauer doch sein eigenes Herrchen und sein individuelles schönes Zuhause." Sie weiß wovon sie spricht: "Auch alle meine eigenen Hunde und die meiner Familie sind, Schicksalsbegegnungen." Beispiel: "Vor eineinhalb Jahren machte ich Ferien in der Karibik - und meine Urlaubsbeschäftigung war es, einen streuenden Greyhoundmischling zu füttern. Nach zwölf Tagen brachte ich es nicht über mich, ihn da zulassen. Heute lebt Jacky bei mir, eine ihrer Welpen bei meiner Schwester, zwei sind bei meiner Tochter."
Warum werden auch in Deutschland immer mehr Tiere ausgesetzt? Sie glaubt, dass es "zu viele launische Menschen" gibt, die "sofort den Hund weggeben, nur weil dieser zum Beispiel dem neuen Lebenspartner nicht passt. Ich würde eher den Partner weggeben." Ihrer Meinung nach wird die Einstellung zu Tieren im Elternhaus geprägt: "Meine Kinder sind mit sechs Boxern groß geworden." Sie selbst hält sich für ein gutes Frauchen, weil ihr Hunde "richtige Familienmitglieder sind, die auch schon mal ins Bett hüpfen".
Bunte - Heft 27/2002